Vorwand oder Einwand - kleiner Unterscheid mit großer Bedeutung.

Ablehnung, abwehrende Haltung, Einwand, Vorwand

Es gehört zum Gespräch mit anderen Menschen ebenso wie zu Verhandlungen, dass unterschiedliche Meinungen und Auffassungen auftauchen. Oft werden auch Einwände, Vorbehalte und Argumente vorgebracht, die der eigenen Argumentation entgegenstehen. Dabei lässt sich nicht immer auf Anhieb klären, ob es sich bei den Gegenargumenten und Vorbehalten um wirkliche Einwände handelt. Manchmal ergibt sich der Eindruck, dass es sich lediglich um Vorwände handelt, um ein anderes Argument zu stützen oder sich gegen etwas auszusprechen, das man aus anderen Gründen grundsätzlich ablehnt.

Dieser Beitrag möchte ihnen dabei helfen, frühzeitig zu identifizieren, ob es sich um wirkliche Einwände oder doch lediglich um Vorwände handelt. Außerdem möchte der Beitrag Sie dabei unterstützen, wirksamer mit Vorwänden umzugehen. Doch bevor wir dazu kommen erstmal zur Unterscheidung von Einwand und Vorwand.

Was ist ein Einwand und was ein Vorwand?

Einwand – eine echte, begründete Sorge

Ein Einwand ist eine sachliche, ehrliche und meist berechtigte Rückmeldung. Ein solcher Einwand wird in der Regel vorgebracht, wenn die Person, die ihn äußert, noch nicht überzeugt ist, Zweifel oder Vorbehalte gegenüber einem Argument oder einer möglichen Entscheidung und ihren Konsequenzen hat. Solche Einwände können sachlich oder auch emotional sein, es können sich in ihnen auch Ängste zeigen. In vielen Fällen spiegeln sich darin auch die Interessen der Person wider, die die Einwände äußert. Einwände bieten deshalb die Chance, Klarheit zu schaffen, Lösungen zu entwickeln und Nähe sowie Vertrauen zum Gegenüber herzustellen.

Typische Beispiele für Einwände:

  • Das verstehe ich nicht?
  • Das glaube ich nicht?
  • Aber das ist doch gefährlich.

 

Vorwand – eine vorgeschobene Begründung

Ein Vorwand dient hingegen meist dazu, ein Gespräch abzubrechen, Zeit zu gewinnen oder eine bereits gefasste Position oder Entscheidung zu stärken, auch wenn der Vorwand selbst nicht wirklich besteht. Vorwände sind in diesem Sinne häufig unspezifisch, emotional, wirken vorgeschoben oder nicht ehrlich gemeint. Sie sind oft Schutzmechanismen, gerade in heiklen Verhandlungssituationen oder wenn Menschen ein klares „Nein“ scheuen.

Typische Beispiele für Vorwände:

  • Ich habe gerade keine Zeit.
  • Das muss ich erst mit meinem Partner besprechen.
  • Und überhaupt sprechen dagegen auch noch dies, das und jenes.

Woran erkenne ich den Unterschied?

Einige Merkmale helfen in der Praxis dabei, Einwände von Vorwänden zu unterscheiden. Zweifelsfrei lässt sich vielfach aber nur im Einzelfall bestimmen, ob es sich um einen Vorwand oder einen ehrlichen Einwand handelt. 

Merkmale eines Einwands

  • spezifisch, nachvollziehbar
  • zeigt echtes Interesse
  • basiert auf Fakten oder echten Bedenken

Merkmale eines Vorwands

  • diffus, unspezifisch oder widersprüchlich
  • dient der Kontaktvermeidung
  • wahre Motive werden verdeckt

Ein Hinweis, dass Ihr Gegenüber einen Vorwand äußert, zeigt sich, wenn Sie konkreter nachfragen und daraufhin das Gegenargument zusammenfällt oder im Allgemeinen bleibt. In der Regel kann ein ehrlicher Einwand auch konkretisiert und erklärt werden.

Warum entstehen Vorwände und Einwände überhaupt?

Grundsätzlich ist es normal, dass es in Diskussionen und Verhandlungen unterschiedliche Meinungen und Argumente gibt. Ursachen sind unterschiedliche Sichtweisen der Welt, von Gefahren und Chancen sowie verschiedene Interessen. Zugleich gibt es auch ein paar Ursachen, die dazu führen, dass eher Einwände oder Vorwände entstehen.

Ursachen für Einwände

  • Informationsdefizit
  • Unsicherheiten über Nutzen, Risiken oder Ängste
  • Wunsch nach mehr Transparenz

Ursachen für Vorwände

  • Höflichkeit (Verwendung von Vorwänden, um einen Konflikt zu vermeiden)
  • Ziel, über Vorwände Druck auszuüben um eine ungewollte Entwicklung/Entscheidung zu vermeiden
  • Durch Vorwände von tatsächlichen Interessen ablenken
  • fehlender Entscheidungswille
  • Unsicherheit oder Überforderung
  • Angst vor Konsequenzen eines offenen „Nein“

In Verhandlungen greifen Menschen vielfach zu Vorwänden, um die eigene Position möglichst stark zu machen. Die vermeintliche Sachlichkeit soll erreichen, dass die Beziehungsebene zum Verhandlungspartner trotz Ablehnung nicht gefährdet wird. 

Umgang mit Einwänden

Die wirksame Behandlung von Einwänden ist kein einfaches „Widerlegen“, weil dabei leicht Verlierer entstehen und damit Widerstand. Ein wirksamer Umgang bedeutet deshalb vielmehr ein echtes Verstehen und Klären des jeweiligen Einwandes. Das gilt für die Klärung von Konflikten ebenso wie für geschäftliche Verhandlungen.

In der Praxis gibt es ein paar wirksame Schritte, die im Umgang mit Einwänden helfen.

  1. Aktiv zuhören – Raum geben, nicht unterbrechen, aktiv Resonanz z. B. in Form eines Nickens geben
  2. Verständnis zeigen – empathische Rückmeldungen, z. B. „Das ist nachvollziehbar…“
  3. Vertiefende Fragen stellen – Hintergründe klären, z. B. „Was genau macht Sie unsicher…“
  4. Bedürfnisse und Interessen herausarbeiten – welche Anliegen hinter den Positionen stehen
  5. Informationen geben, Lösungen anbieten – nicht überreden, sondern Angebote zur Klärung machen
  6. Gemeinsam prüfen, ob der Einwand geklärt ist – zusammenfassen, bestätigen

Eine Hilfestellung sind die folgenden Leitfragen, die zu konkreten Fragen inspirieren sollen.

  • „Was genau macht Sie unsicher?“
  • „Welche Information fehlt Ihnen noch?“
  • „Wie müsste eine Lösung aussehen, damit sie für Sie passt?“

Hilfreich ist zudem im Hinterkopf zu haben, dass ein Einwand in vielen Fällen Interesse signalisiert und damit ein positives Zeichen ist, teilweise sogar ein Kauf- oder Kooperationssignal.

Umgang mit Vorwänden

Vorwände lassen sich in der Regel kaum direkt bearbeiten, weil sie vorgeschobene und nicht die echten Gründe für eine Ablehnung enthalten. Das Ziel besteht deshalb darin, im Dialog die wahren Motive herauszufinden, ohne das Gegenüber bloßzustellen.

In der Praxis gibt es ein paar Ansatzpunkte, um wirksam mit Vorwänden umzugehen.

  1. Nachfragen und spiegeln – sondieren, welche Bedeutung der Punkt hat und ob es ein Einwand oder ein Vorwand ist, eine hilfreiche Formulierung ist dabei z. B.: „Nur um es zu verstehen, ist das der einzige Punkt, der Sie zögern lässt?“
  2. Vertrauen schaffen – eine intakte Beziehungsebene ist wichtig, damit Menschen bereit sind, echte Bedenken zu äußern.
  3. Rahmen weiten – Perspektive geben, wie es weitergehen könnte, wenn der eingewandte Punkt geklärt/gelöst wäre.
  4. Entscheidungsdruck herausnehmen – reduziert die Wahrscheinlichkeit von Vorwänden.

Eine Hilfestellung sind die folgenden Leitfragen im Falle, dass Sie den Verdacht haben, es ginge um Vorwände.

  • „Ist das der einzige Punkt, der Sie zurückhält?“
  • „Angenommen, dieses Thema ist gelöst. Wie geht es dann weiter?“
  • „Können sie konkretisieren, worum es ihnen bei diesem Punkt konkret geht?“

Vorwände werden oft geäußert, wenn Menschen Angst vor negativen Konsequenzen eines klaren „Nein“ haben oder glauben, ihre tatsächlichen Einwände wären nicht stark genug, um ihre Ablehnung zu rechtfertigen.

Fazit: Die Differenzierung von Einwänden und Vorwänden bringt Chancen in Dialog, Verhandlungen und Vertrieb

Wer Vorwände und Einwände klar unterscheidet, erweitert seine Handlungsmöglichkeiten erheblich.

  • Einwände ermöglichen Klärung, Vertrauen und Fortschritt.
  • Vorwände signalisieren Beziehungsspannungen oder Entscheidungsunsicherheit und verlangen feinfühlige Gesprächsführung.
  • In beiden Fällen liegt der Schlüssel in Zuhören, Empathie und gezieltem Nachfragen.
 
In jedem Fall ist es sinnvoll sensibel zu sein, ob es sich um einen Einwand oder einen Vorwand handelt. Handelt es sich um einen ehrlichen Einwand, besteht die Chance diesen aufzulösen. Handelt es sich um einen Vorwand, bietet sich die Chance diesen aufzudecken. So besteht eine gute Chance, die Diskussion darauf zu lenken, was die tatsächlichen Einwände und Vorbehalte sind.   

Sie wollen mehr erfahren? Sprechen Sie mich gerne an.  

Mehr
Beiträge

Konflikte frühzeitig erkennen, Konfliktdiagnose, Meeting mit aufkommendem Konflikt
Konflikt & Dialog

Konflikte frühzeitig erkennen

Konflikte gehören zum Leben dazu. Ob in der Partnerschaft, im Freundeskreis, in der Familie oder am Arbeitsplatz. Entscheidend ist nicht, dass Konflikte entstehen, sondern wie früh sie diese bemerken und wie sie dann damit umgehen. Viele Spannungen beginnen leise, fast unsichtbar. Wer auf diese feinen Signale achtet, verhindert Eskalationen und

Weiterlesen »
Ablehnung, abwehrende Haltung, Einwand, Vorwand
Konflikt & Dialog

Vorwand oder Einwand

Es gehört zum Gespräch mit anderen Menschen ebenso wie zu Verhandlungen, dass unterschiedliche Meinungen und Auffassungen auftauchen. Oft werden auch Einwände, Vorbehalte und Argumente vorgebracht, die der eigenen Argumentation entgegenstehen. Dabei lässt sich nicht immer auf Anhieb klären, ob es sich bei den Gegenargumenten und Vorbehalten um wirkliche Einwände handelt.

Weiterlesen »